Predigt zu Markus 1, 32-39 von Hans-Georg Ahl

30.10.2011, 06:31

Predigt Mk 1, 32-39

Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. 33 Die ganze Stadt war vor dem Haus versammelt, 

34 und er heilte viele Menschen, die an den verschiedensten Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Den Dämonen verbot er zu reden, denn sie wussten, wer er war. 35 Früh am Morgen, als es noch völlig dunkel war, stand Jesus auf, verließ ´das Haus` und ging an einen einsamen Ort, um dort zu beten. 

36 Simon und die, die bei ihm waren, eilten ihm nach, 37 und als sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: »Alle fragen nach dir.« 38 Er aber erwiderte: »Lasst uns von hier weggehen in die umliegenden Ortschaften, damit ich auch dort ´die Botschaft vom Reich Gottes` verkünden kann; denn dazu bin ich gekommen.« 

39 So zog er durch ganz Galiläa, verkündete ´die Botschaft vom Reich Gottes` in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

 

Liebe Gemeinde,

ich denke, dass es ihnen hier und da genauso geht wie mir: dass man da gerne dabei gewesen wäre, als Jesus anfing öffentlich zu heilen und zu predigen. Wir befinden uns in Kapernaum an einem Sabbat. Jesus hat in der Synagoge gepredigt und einen Dämonen ausgetrieben, anschließend im Haus des Fischers Simon dessen Schwiegermutter von einem schweren Fieber geheilt. Sein Predigtstil wird von Luther mit „vollmächtig“ übersetzt, es waren also keine leeren Worte und das bewies er durch seine Taten.

  1. Der Abend in Kapernaum

Es hat sich also offensichtlich in Kapernaum rumgesprochen, was am Morgen in der Synagoge geschehen ist. Und vielleicht auch, dass Jesus die Schwiegermutter Simons geheilt hat. So versammelt sich anscheinend der ganze Ort nach Einbruch der Dunkelheit, also als man nach der Sabbatruhe wieder gehen durfte, vor dem Haus der Brüder Simon und Andreas. Jesus predigt offensichtlich nicht sondern heilt und treibt Dämonen aus. Und zwar brachte man alle Kranken und Besessenen zu ihm, wie es in Vers 32 heißt. Im NT wird von vielen „einzelnen“ Heilungen berichtet, hier zu Beginn seiner Wirksamkeit ist ausdrücklich von allen die Rede, der Himmel ist auf die Erde gekommen.  Man denkt zwar, wenn manchmal beschrieben wird, was Dämonen mit Menschen anstellen, unwillkürlich an Epilepsie, aber natürlich gab und gibt es dämonische Besessenheit bei Menschen.
Mich hat das sehr bewegt, was Eckart Link von seinem Besuch in Indonesien erzählt hat. Die Selbstverständlichkeit, wie man dort mit Kranken betet und sie gesund werden bzw. sie aufgerichtet werden, wie es in Jakobus 5 beschrieben wird.  Wie weit sind wir davon weg und wie kommt das? Und mag sein, dass in einer Kultur, wo immer noch Verstorbene geehrt und gefürchtet werden, dämonische Besessenheit einfach mehr verbreitet ist als bei uns. Aber kann es nicht auch sein, dass wir einfach zu viel erklären und mit Psychopharmaka behandeln statt Menschen mit der rettenden Kraft Christi in Verbindung zu bringen?

  1. Der frühe Morgen

Noch bevor der Tag anbricht, sucht Jesus das Gespräch mit seinem Vater. Ganz offensichtlich braucht er dieses Gespräch in dieser Phase seiner Wirksamkeit genauso wie später. Er muss die richtige Balance zwischen Wunderheiler und Wanderprediger finden, um es mal salopp auszudrücken. Denn auch die Menschen, die Jesus gesund gemacht hat, sind ja dann vermutlich an irgendwelchen Krankheiten gestorben. Es fällt auf, dass sich Jesus ganz oft der Masse und auch seinen Jüngern entzieht. Der Masse ganz offensichtlich, weil sie aus ihm einen Wundermacher machen wollen. An solcher Popularität ist ihm nicht gelegen, er will mehr für die Menschen sein als einer, der ihre Beschwerden heilt. Und seinen Jüngern, obwohl er sie seine Freunde nennt, weil sie sich nur allzu gerne in seiner Popularität sonnen wollen und schon dabei sein die Ministerposten auskämpfen. Aber vor allem glaube ich, das kommt raus als es ans Leiden geht, weil sie wollen, was menschlich ist und nicht das was göttlich ist, wie es Jesus dann wörtlich sagt.
Umso wichtiger ist, dass  Jesus das eben im Gespräch mit seinem Vater rauskriegt, das zu tun was der will. Und darin kann uns Jesus Vorbild sein, dass wir dieses Gespräch mit Gott pflegen und suchen, sowohl jeder von uns persönlich als auch wir als Gemeinde. Unsere „Imagebroschüre“ ist phantastisch, unsere Konzeption, die wir ja auch erarbeitet haben, weil wir damit bei einer Stiftung Eindruck schinden wollten, ist beeindruckend, aber wie stehen wir  in Gottes Augen da? Und dieser Frage sollten wir uns vorrangig stellen!

  1. Das heilsgeschichtliche Niemandsland wird „Jesusland“

Nach der Begegnung  mit seinem Vater weiß Jesus, was sein Auftrag in der nächsten Zeit ist. Er muss die Botschaft vom Reich Gottes verkündigen. Und immer ist diese Botschaft mit der Aufforderung verbunden: Kehrt um, denkt neu, das Reich Gottes ist herbeigekommen. Und diese Botschaft wird eben durch Wunderzeichen begleitet, die deutlich machen, dass der, der spricht, wirklich Vollmacht von Gott hat. 2 Sachen finde ich dabei noch wichtig: Dass der Sohn Gottes, der Messias, Jesus ausgerechnet in einer Gegend seine Herrschaft aufrichtet, die im heilsgeschichtlichen Niemandsland lag, in Galiläa. Eben nicht in der Metropole Jerusalem, oder vielleicht Betlehem, wo es immerhin möglich gewesen wäre nach der Schrift. So als wollte Gott sagen: das, auf was ihr herabblickt, was ihr verachtet, wo ihr sofort eure Schublade aufmacht und mit der Sache fertig seid, das habe ich erwählt. Und das zieht sich doch auch durch die Kirchengeschichte. Beispiele: Mittelalter, Reformation, Erweckungsbewegungen: alles abseits der großen Metropolen, geistigen und kulturellen Mittelpunkte.
Und was noch auffällt: Jesus sagt: Lasst uns losziehen. Er will es nicht allein tun sondern mit den Menschen, die er dazu berufen hat.  Menschen, die die etablierten Schriftgelehrten für unterentwickelt und für Fischköppe hielten. Und auch das setzte sich fort. 1. Kor 1. Kirchengeschichte. Gemeindegeschichte. Schleifermeister Moos, Bäckergeselle Schröter usw.


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