Predigt zu Lukas 16, 1-8 von Hans-Georg Ahl

12.11.2011, 08:38

Predigt Lukas 16, 1-8

1 Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen. 2 Da ließ er den Verwalter rufen. ›Was muss ich von dir hören?‹, sagte er zu ihm. ›Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger mein Verwalter sein.‹ 3 Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln. 4 Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.‹5 Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?‹, fragte er den ersten. 6 Hundert Fass Olivenöl‹, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: ›Hier, nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib statt dessen fünfzig.‹ 7 Dann fragte er den nächsten: ›Und du, wie viel bist du ihm schuldig?‹ – ›Hundert Sack Weizen‹, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: »Hier, nimm deinen Schuldschein, und schreib statt dessen achtzig.‹ 8 Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts.

 

Liebe Gemeinde,

Besucher unseres Bibelabends werden sich erinnern, dass wir erst vor wenigen Wochen über dieses Gleichnis gesprochen haben. Die brauchen also heute Morgen nicht zuzuhören. Denn sie wissen natürlich, dass man die Gleichnisse Jesu nicht einfach eins zu eins in unser Leben übertragen darf. Jesus will also nicht sagen, dass man so gut es geht Gelder veruntreuen soll und sie nach Lichtenstein oder Luxemburg schaffen soll, um sich für das Alter abzusichern. Sonder gerade bei diesem Gleichnis kommt es auf den einen Punkt an, und für den lobt Jesus diesen untreuen Verwalter:  er hat mit den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten klug gehandelt. Und um dieses Thema soll es heute Morgen gehen: Klugheit.

  1. Menschliche Klugheit

Schon in den ersten Kapiteln der Bibel ist menschliche Klugheit ein Thema. Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht, weil sie so klug sein wollen wie Gott und wenig später bauen die Menschen in ihrer Klugheit einen hohen Turm um in göttliche Sphären vorzudringen. An der nachfolgenden Sprachverwirrung leiden wir bis heute und misslingende Kommunikation kann sogar in den besten Familien gleicher Sprache vorkommen. Aber man kann auch aus Fehlern lernen, und genau das ist Klugheit. 

Eine Mustergeschichte in der Bibel ist dabei für mich die Josefsgeschichte.  War der noch als Jugendlicher so blöd, seinen Brüdern den Traum zu erzählen, in dem sie sich alle vor ihm verbeugen müssen und mit dem schicken bunten Mantel, dem sein Vater ihm geschenkt hat, stets vor ihrer Nase her zu stolzieren, so hat er später seine Lektion gelernt. Von seinen Brüdern an eine vorbeizeihende Handelskarawane verkauft macht er zunächst im Hause Potiphars Karriere und muss dann die Erfahrung machen, dass ihn seine redliche Zurückhaltung beim Angebot auf eine Affäre bei Potiphars Frau nicht davor bewahrt, in den Knast zu wandern. Und Bestimmt lernt er dort im Kontakt mit ebenfalls inhaftierten hohen Hofbeamten des Pharao wie dort der Hase läuft.  Nachdem er dann in die Position des zweitmächtigsten Mannes Ägyptens aufgerückt ist, verhält er sich in der Begegnung mit seinen Brüdern extrem klug und fädelt es sehr geschickt ein, dass sich auch sein alter Vater noch auf den Weg nach Ägypten macht und dort der ganze Clan die schwere Hungersnot überlebt.
Aber natürlich ist die menschliche Klugheit Josefs undenkbar ohne das, was jetzt im 2. Punkt kommt.

  1. Geistliche Klugheit

Denn, so heißt es schon im Buch der Weisheit: Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis. Aber mit dem Satz allein haben wir noch nicht allzu viel gewonnen .  Denn in diesen Kapiteln des Lukasevangeliums befindet sich Jesus in der Auseinandersetzung mit Leuten, die die Gottesfurcht zu ihrem Lebensprinzip gemacht hatten, wobei allerdings die Betonung auf Furcht lag. Gemeint sind die Pharisäer. Sie hatten aus dem Leben mit Gott ein Riesenregelwerk mit unheimlich viel Kleingedruckten gemacht. Unmittelbar vorher hat Jesus diesen Leuten, die sich das Maul darüber zerrissen, dass er Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern pflegte, 3 Beispielgeschichten darüber erzählt, wie sehr sich Gott darüber freut, wenn Menschen, die er verloren hatte, zu ihm zurück finden, und dass wir uns darüber mitfreuen sollten.
Metanoiete! Denkt neu! Kehrt um! Das ist die erste Predigt Jesu. Und hier will er doch sagen: Gott ist nicht der Oberverwaltungsrat, den ihr aus ihm gemacht hat, nein, er ist, wie Martin Luther es gesagt hat, ein Backofen voller Liebe. Der sich freut, wenn seine Kinder zu ihm zurückfinden und dann auch anfangen zu lieben.
Und das ist dann geistliche Klugheit, wenn ich alle Bereiche meines Lebens mit diesem liebenden Gott in Verbindung bringen kann. Und da haben wir dann auch wieder die Berührung mit der Josefsgeschichte, die ja auch eine Geschichte unter der Überschrift ist: Ihr gedachtet es böse zu machen, Gott gedachte es gut zu machen.
Wir leben in einer Welt, wo sehr viele Menschen nur an ihrem eigenen Rad drehen und es gedenken böse zu machen. Wir gehören einem Gott der in seinem Sohn ein für allemal es gut gemacht hat und dabei dürfen und sollen wir mitmachen!
                


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