Predigt zu Lukas 11, 14-23 von Catharina Bluhm
04.11.2011, 15:12Predigt mit Lukas 11, 14- 23
Liebe Gemeinde,
„FFUmp“ - was ist das? Nein, kein Kühlschrank. Das ist die schlechte Imitation eines Laserschwerts. Yediritter haben so was. Früher wollte ich immer Yediritter sein - möge die Macht mit mir sein, grünes Laserschwert, Kutte, Schweben, die Zukunft voraussehen und gegen die dunkle Seite kämpfen. Wie in den Starwarsfilmen. Bei Starwars gibt´ s klare Regeln: Gut oder Böse. Yediritter oder Sith, Meister Yoda oder Darth Vader, grünes Laserschwert oder rotes, entweder gut oder böse- beides gleichzeitig geht nicht.
Gut oder böse- beides gleichzeitig geht nicht, sagt Jesus. Damals, als er sich mal wieder streiten muss. Weil er einen Stummen geheilt hat.
Ich lese aus Lukas 11 Vers 14 bis 23.
Stummsein. Keine Stimme. Nichts zu sagen. Eingesperrt in sich selbst. Als ob ein böser Geist die Tür zum Leben abgeschlossen hat. Jesus macht die Tür wieder auf. Jesus befreit den Stummen. Und der redet.
Die Leute fangen an zu tuscheln. Seht euch das an. Was macht Jesus da? Das ist doch gruselig. Wer sich mit dem Bösen so gut auskennt, ist vielleicht selber böse... Vielleicht ruft Jesus den Baal Zebul, den Chef der bösen Geister an und besiegt sie mit seiner dämonischen Hilfe?
Ey Jesus, wenn Du nicht zu den Bösen gehörst, dann beweis´ uns das mal.
Denken hilft, sagt Jesus. Überlegt mal kurz. Angenommen ich rufe den Baal Zebul. Und der besiegt für mich seine eigenen Geister. Wie blöd ist das denn. Die dunkle Seite, das Böse kämpft doch nicht gegeneinander. Wer böse Geister besiegen will, braucht dazu nicht ihren Chef. Der braucht jemand anderes. Jemand stärkeres. Der braucht Gott.
Gott selber hat den Stummen angerührt. Gott hat den bösen Geist verjagt und die Tür zur Seele des Stummen aufgeschlossen. Gott ist stärker als das Böse. Gottes Reich ist stärker als das Reich des Bösen. Und mit mir hat Gottes Reich hier und jetzt angefangen.
Das Böse hat die Welt im Griff. Wie ein starker Mann, der einen Palast bewacht. Da kommt keiner rein und da kommt keiner raus, ohne dass er es will. Aber wenn einer kommt, der noch stärker ist, dann haut er den starken Mann k.o. Nimmt ihm die Waffen weg und jagt ihn in die Wüste. Und alles, was im Palast ist, gehört dann dem Stärkeren. Der Stärkere bin ich. Der Kampf ist jetzt. Und er ist schon entschieden. Denn ich bin stärker als das Böse. Und ich befreie die Welt aus dem Griff des Bösen.
Ihr müsst Euch entscheiden, auf welcher Seite Ihr steht. Auf meiner, oder auf der Seite des Bösen.
Entweder oder, sagt Jesus.
Puh, sagen wir vielleicht. Was ist denn das für eine Predigtreihe. Jetzt sollen wir schon wieder über böse Geister und Kampf und so nachdenken.
Ja ist das denn hier Starwars. Jediritter gegen die dunkle Macht. Das ist ja im Science Fiction ganz nett, falls man auf so was steht. Aber das hat doch mit unserer Wirklichkeit null und nix zu tun. Gut. Böse. In Wirklichkeit ist es doch meist so was dazwischen. Irgendwie kann man doch immer beide Seiten verstehen. Und irgendwie hat doch jeder Dreck am Stecken. Gut und Böse hat doch nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun. Das hier ist doch nicht Starwars.
Das hier ist doch… So ist das hier. Großkonzerne kaufen in Ostafrika Land auf. Lösen eine Hungersnot aus. Und Milizen lassen keine Hilfslieferungen durch.
So ist das hier. Mitschüler quälen einen Jugendlichen solange, bis er sich vor den Zug wirft.
So ist das hier. Indische Christen werden für ihren Glauben nicht nur ausgelacht. Sondern verfolgt und gequält.
So ist das hier. Das Böse ist gehört zu unserer Wirklichkeit. Es lässt sich nicht klein reden, nicht wegdiskutieren und nicht totschweigen. Über das Böse nachdenken ist unbequem.
Unser Predigttext macht unruhig. Stört uns. Lässt uns etwas ratlos dastehen. So als würde der letzte Satz heißen- und jetzt du. Sag was. Und jetzt?
Drei Gedanken für uns und jetzt.
PP12a
1. Herr der Fliegen oder Finger Gottes- wer darf mein Leben berühren
Zur Zeit Jesu ist es gar keine Frage, ob es das Böse gibt. Klar gibt es das. Chef des Bösen ist Baal Zebul. Wahrscheinlich ein kanaanäischer Fruchtbarkeitsgott. Man opfert ihm das, was Boden besonders fruchtbar macht. Mist. Weil über seinem Altar also jede Menge Fliegen kreisen, sagen die Leute statt Herr des Dungs- Baal Zebul- auch Herr der Fliegen – Baal Zebub.
Wem wollt Ihr in eurem Leben vertrauen, fragt unsere Geschichte. Dem, der aus Mist Gold machen soll? Oder Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erden? Dem, dessen Finger aus Lehm Adam geformt hat?
Wir kommen nicht auf die Idee, kanaanäische Fruchtbarkeitsgötter anzubeten. Wir beten vielleicht zu Gott. Aber manchmal sagen wir Gott nur die frommen Sachen. Und reden nicht von dem, was wirklich ist. Von dem, was uns wirklich beschäftigt. Von dem, was uns wirklich Angst macht. Von dem, wonach wir uns wirklich sehnen. Dabei vertrauen wir manchmal auf den größten Mist. Manchmal stinkt unser Vertrauen in Macht und Geld und uns selbst zum Himmel. Manchmal vertrauen wir Menschen, die uns viel versprechen. Und deren Wort, wenn´ s drauf ankommt, einen Dreck wert ist. Manchmal verlassen wir uns auf den Herrn der Fliegen. Und stehen dann knietief im Mist.
Gott ist kein Herr der Fliegen. Gott hat seinen Sohn in die Welt geschickt, weil er mit uns leben will. Weil wir zu ihm gehören. Mit unserem ganzen Leben. Mit allem, was uns betrifft.
Also: Schluss mit Stummsein. Zeit ehrlich über unser ganzes Leben zu reden. Zeit uns bei dem festzuhalten, der immer schon die Hand nach uns ausstreckt.
P12b
2. Kampf der Türsteher- wer bewacht mein Lebenshaus
Der ist nicht ganz alleine. Sagt man bei uns im Dorf. Und meint, dass einer nicht ganz richtig im Kopf ist. Unsere Geschichte sagt: Ihr seid alle nicht ganz alleine. In eurem Lebenshaus gibt´ s Mitbewohner. Da ist jede Menge los. Was Ihr hört, seht, fühlt. Was Ihr versteht, lernt, merkt. Was euch begegnet, kränkt, traumatisiert, verstört. Was euch neugierig macht, froh, glücklich, wütend, stolz. Was euch zum Reden und Handeln bringt. Eure Gaben, euer Wesen, wer und was ihr seid.
Wer passt eigentlich auf unser Lebenshaus auf? Wer steht an der Tür? Das Böse? Das drückt allem den Stempel „furchtbar“ auf. Vergiftet, was wir wahrnehmen. Färbt unser Reden und Tun schwarz ein. Das Böse schürt unsere Vorurteile. Das Böse macht uns einsam und misstrauisch. Sperrt uns ein. Als Geiseln unserer Ängste und Befürchtungen. Macht uns stumm. So dass kein gutes Wort mehr aus unserem Mund kommt.
Jesus bietet sich als Türsteher an. Jesus ist stärker als das Böse. Jesus zeigt uns die Welt vor unserer Tür neu. Als Ort, an dem Gott uns Menschen begegnet. Jesus bietet sich als Türsteher an. Macht Hausputz und schmeißt den Dreck unseres Lebens raus. Jesus öffnet Freunden und Geschwistern die Tür. Deckt den Tisch und lädt uns ein und wir kriegen neue Kraft und neuen Mut.
Also: Schluss mit Stummsein. Zeit zum Reden mit dem, der unsere Tür bewachen will. Zeit Jesus in´ s Lebenshaus rein zu lassen.
PP12c
3. Entweder oder- Aufstehen. Mund aufmachen.
Keine Entscheidung gibt´ s nicht, sagt unsere Geschichte. Wenn´ s um gut und böse geht, kann keine und keiner neutral bleiben. Ihr müsst euch entscheiden. Jeden Tag neu. Wofür steht ihr? Zu welchem Reich gehört ihr?
Hu - Zeng ussenand, sagt man in Köln. Aufstehen. Mundaufmachen. Daran erkennt man Menschen, die zu Gottes Reich gehören. Die stehen auf und machen den Mund auf. Die nehmen Menschen in Schutz vor dem Bösen. Im Bus, am Arbeitsplatz, in der Schule, überall, wo´ s nötig ist. Die mischen sich auch in die Politik ein. Und sprechen für die, die keine Stimme, keine Lobby haben.
Menschen, die zu Gottes Reich gehören stehen auf und machen den Mund auf. Und laden zum Leben mit Jesus ein. Reden davon, wer Jesus ist und was er für sie bedeutet. Und schämen sich dabei kein bisschen. Sondern stecken mit ihrer Begeisterung andere an.
Menschen, die zu Gottes Reich gehören, können aufstehen und den Mund aufmachen. Wir können aufstehen und den Mund aufmachen. Weil wir wissen, dass wir dabei nicht alleine sind. Weil wir wissen, dass Jesus bei uns ist. Jeden Tag. Wenn wir zu Gottes Reich gehören, dann kriegen wir kein Laserschwert. Wir kriegen was Besseres. Wir kriegen den Herrn, der für die gute Seite schon gewonnen hat. Und mit dem können wir leben und arbeiten. Jeden Tag.
Dabei möge die Macht mit uns sein. Dabei ist Gottes Macht mit uns.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.
Amen




















































