Predigt zu 1. Mose 12, 1-4a von Catharina Bluhm

04.07.2010, 10:00

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist es eine verspätete Midlifecrisis mit 75. Da machen Menschen manchmal krasse Sachen.

Vielleicht ist er verrückt geworden. Immerhin hört er Stimmen. Na ja. Eine Stimme. Aber seit wann redet Gott einfach so mit Menschen?

Vielleicht hat er auch Dreck am Stecken. Warum sonst löst man eine erfolgreiche Handelsniederlassung auf und verschwindet ins Nichts?

Getuschel im Tor, Geraune in den Kneipen, Gerüchte auf dem Marktplatz. Die Leute in Haran reden. Denn Abram packt seinen Hausstand ein. Sammelt seine Ziegen, Schafe und Kamele. Löst sein Geschäft auf. Zahlt Schulden und kassiert Außenstände. Warum will Abram weg? Wo will er hin?

 

Ich lese aus 1. Mose 12 Vers 1 bis 4

 

Wie soll Abram das seinen Nachbarn und seinen Verwandten erklären? Will er ihnen das erklären? Ihm ist nur noch dieses Geh wichtig. Dieses Los, mach dich auf den Weg.

Abends sitzen Sarai und er auf dem Dach ihres Hauses. Früher haben sie sich oft angeschwiegen. Stumm mit dem Wunsch nach Kindern und der Traurigkeit, das er sich nicht erfüllt. Jetzt haben sie viel zu reden. Was nehmen sie mit? Was bleibt hier? Wen nehmen sie mit? Lot vielleicht, den Neffen. Ein paar Knechte und Mägde. Sie sind schließlich nicht mehr die Jüngsten. Zelte werden sie brauchen. Wie Nomaden. Ha, lacht Sarai, jetzt sind wir Nomaden.

Und dann werden sie und Abram doch still. Und sehen im Dämmerlicht Richtung Wüste. Da wo der Weg aus Haran wegführt. Und vielleicht nimmt Abram Sarais Hand in seine. Weil er sich fragt, ob er das seiner Frau zumuten kann. Einen verrückten Weg durch die Wüste in ein Land, das keiner von ihnen kennt. Und das alles nur, weil Gott es sagt. Und Sarai lacht. Weil ihr dieser Weg gar nichts ausmacht. Weil es nichts gibt, das sie, die verachtete kinderlose Frau, in Haran hält. Weil es da dieses Versprechen gibt. Kinder. Wie sie in ihrem Alter noch Mutter werden soll, weiß sie nicht. Aber schließlich wird in ihrem Alter aus ihr ja auch noch eine Reisende und eine Nomadin. Also: Wer weiß?

Wie wird das sein auf diesem verrückten Weg? Was werden sie erleben? Das weiß nur Gott, sagt Abram vielleicht. Und Sarai lacht vielleicht wieder. Weil sich das gut anfühlt: Gott weiß es. Und sie werden es sehen. Bald werden sie reisen. Auf dem verrückten Weg in ein neues Land. Sie wissen nicht, was sie da finden werden. Aber es wird Segen sein. Gutes von Gott.

Liebe Gemeinde,

geh. Los, mach dich auf den Weg. Ich finde, das klingt ziemlich verlockend. So nach Kofferpacken. Verreisen. Neues sehen. Abenteuer erleben.

Viele von uns packen im Sommer die Koffer. Wir machen uns auf den Weg nach Dänemark oder Wendtorf, Spanien, Italien, Föhr oder wenigstens an die Lister. Packen Bergschuhe oder Strandhandtücher, dicke Bücher, Spiele, Sonnencreme und Mückenstifte ein. Was suchen wir auf unseren Reisen?

Neues vielleicht. Neue Erfahrungen. Neue Blickwinkel. Neue Herausforderungen.

Vielleicht suchen wir auf unseren Reisen Ruhe. Kein Weckerklingeln. Kein Handypiepen. Keine 72 Mails.

Vielleicht suchen wir Abstand vom Alltag. Kein Projekt, das pünktlich fertig werden muss. Keine Überstunden. Keine immer gleiche Routine. Immer gleiche Pflichten.

Unsere Reisen und das, was wir auf ihnen suchen, sind anders als Abrams Reise. Und trotzdem hören wir in der Geschichte von Abrams Reise etwas für uns. Für unsere Lebensreise. So wie Menschen seit tausenden von Jahren in der Geschichte von Abram etwas für sich hören. Für ihre Lebensreise. Ihre Lebensreise mit Gott.

 

1. Geh weg- Nomaden sein

Abram war wahrscheinlich Kaufmann. So wie fast alle Einwohner der Handelsstadt Haran. Abram hat wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass er irgendwann was anderes als Kaufmann in Haran sein würde. Bis Gott ihn auf die Reise schickt. Vom Kaufmann zum Nomaden und später zum Siedler.

Wir haben vielleicht ein klares Bild davon wer und was wir sind. Handwerker, Beamtinnen, Bezieher von Arbeitslosengeld, Lehrer, Arbeiterinnen, Kaufleute, Hausfrauen, Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Rentner. Fußballfans, Musikliebhaberinnen, Bewegungsmuffel, Partylöwen, Hypochonder, Frauenversteher, Cholerikerinnen, Kirchgänger und noch viel mehr. Wir haben ein ziemlich klares Bild davon, wer und was wir sind.

Die Geschichte von Abram sagt uns: Egal wer, egal was Ihr seid, Ihr müsst das nicht für immer bleiben. Ihr könnt noch ganz anders. Wenn Ihr Gott zuhört, dann kann es sein, dass Ihr neu anfangt. Dass Ihr neu aufbrecht. Vielleicht hat Gott eine neue Aufgabe für Euch. Vielleicht braucht Gott Euch an einem anderen Ort. Vielleicht möchte Gott, dass Ihr Euch verändert. Dass Ihr was Neues lernt.

Vielleicht kann der Kaufmann im Montagskaffee servieren. Vielleicht wird der Choleriker ein geduldiger Zuhörer. Vielleicht geht der Bewegungsmuffel mit der einsamen Nachbarin spazieren. Vielleicht singt der Fußballfan im Singteam mit. Vielleicht lernt der Ängstliche Vertrauen und der Geizkragen Großzügigkeit. Vielleicht liest der Partylöwe begeistert die Bibel.

Die Geschichte von Abram sagt uns: Egal, wer und was Ihr seid: Gott schickt euch auf den Weg. Immer wieder. Vielleicht kommt Euch dieser Weg verrückt vor. Weil Euer Leben doch eigentlich gut so ist, wie es ist. Vielleicht kommt Euch Gottes Weg verrückt vor. Aber auf Gottes Weg gibt es Segen. Und um den zu erleben müsst Ihr Nomaden sein. Mit Gott auf dem Weg sein. Euch von ihm den Weg zeigen lassen. Sein Wort lesen. Auf ihn hören. Ihm Eure Wegbeschreibung geben. Ihm sagen, wo Ihr jetzt seid. Wie euer Weg aussieht- schön oder schwer. Wegbeschreibung. Und dann genau hinsehen, wo Gott da ist.

 

2. Geh in ein Land, das ich dir zeigen werde- Neuland entdecken

Abram macht sich auf den Weg. Wieso eigentlich? Vielleicht hat der bodenständige Kaufmann Unruhe in sich. So ein Gefühl, dass das es nicht genug ist. Vielleicht hat Abram Sehnsucht. Der er vielleicht gar keinen Namen geben kann. Sie hat was mit Nachkommen zu tun. Aber es ist mehr als das. Abram will dieses andere Land sehen. Sein Land. In dem er was Besonderes ist. Nicht einfach einer von vielen Kaufleuten. Sondern einer, der einen Namen hat und ihn weitergibt. Einer, der einen Unterschied macht. Einer der nah bei Gott lebt und Gottes Segen weitergibt. Abram will in das neue Land.

Warum sollten der Kaufmann, der Choleriker, der Bewegungsmuffel, der Fußballfan, der Ängstliche, der Geizkragen und der Partylöwe plötzlich neue Wege gehen? Vielleicht weil in ihnen diese Sehnsucht nach Neuland wohnt. Nach neuen Erfahrungen. Neuen Blickwinkeln. Neuen Herausforderungen. Nach mehr als Weckerklingeln, Handypiepen und 72 Mails. Nach mehr als Alltag mit Projekten, Überstunden, immer gleicher Routine. Immer gleichen Pflichten.

Abrams Geschichte sagt: Gott lockt Euch auf verrückte Wege. Die in´ s Neuland führen. In ein unheimlich tolles Land. Ein Land, in dem Ihr erlebt, dass Gott da ist. Ein Land, in dem Ihr seinen Segen spürt. Ein Land, in dem Ihr den Unterschied macht. Weil Ihr das Gute von Gott an andere weitergebt. Und damit die Welt verändert.

 

3. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein- Gutes erwarten und Gutes tun

Im neuen Land werden sich Abrams und Sarais Wünsche erfüllen. Nicht sofort. Anders als sie denken. Aber wie versprochen. Sarai wird wieder lachen. Und ihr Kind so nennen: Jitzchak, Lachen. Sie werden eigenes Land besitzen. Und auf diesem Land Engel beherbergen. Sie werden einen Bund mit Gott schließen und neue Namen bekommen. Als Zeichen für das Leben als Gesegnete. Abraham und Sara.

Die Geschichte von Abram sagt uns: Wenn Ihr Euch auf den Weg mit Gott macht, werdet Ihr gesegnet. Dann erfahrt Ihr Gutes von Gott. Dann spürt Ihr etwas von Gott. Und könnt andere etwas von Gott spüren lassen. Wie das geht? Mit Aufmerksamkeit. Wer aufmerksam ist, entdeckt das Gute von Gott. Wer aufmerksam ist, versteht, dass das Gute von Gott kommt. Menschen, die uns helfen und unterstützen. Die Schönheit der Schöpfung. Freude an der Musik. Liebe und Zärtlichkeit. Alles, was uns froh macht. Uns Kraft und Mut gibt. Das alles ist Segen. Wer ihn hat, kann ihn an andere weitergeben. Mit einem Kaffee. Einem Gespräch. Einem Spaziergang. Schöner Musik. Vertrauen. Großzügigkeit und der besten Nachricht von allen. Dass Gott mit uns leben will. Und dass er sich dafür selber auf den Weg zu uns Menschen gemacht hat. In seinem Sohn Jesus. Damit niemand mehr ohne Segen sein muss.

 

Im Annaberg stehen schon die ersten Kisten für die Freizeiten. Bei Ihnen zuhause liegen vielleicht schon Tickets und Fahrkarten. Oder der Schiffsfahrplan vom Biggesee. Für viele von uns fängt bald Urlaub an. Egal ob wir ihn weit weg verbringen oder zuhause: Ich wünsche uns Neues. Ruhe. Abstand vom Alltag. Zeit für dicke Bücher.

Vielleicht kann uns auch die Abramsgeschichte mit in den Urlaub begleiten. Für Gedanken zur Lebensreise. Damit wir neu Lust bekommen zum Nomadensein. Zum Neuland entdecken. Zum Gutes Erwarten und Gutes tun.

Ich wünsche uns in diesem Sommer offene Ohren für das geh. Los, mach dich auf den Weg wie Abraham. Ich wünsche uns Lachen. Wie Sara. Und Gottes Segen auf unserem Weg.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen

 

 


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