Predigt zu Lukas 5, 1-11 von Catharina Bluhm
13.06.2010, 15:30Liebe Gemeinde,
Du gehörst in mein Team, hört Petrus. Und das irritiert ihn wirklich. Wie- Du gehörst in mein Team? Welches Team? Er hat Fischer gelernt. Er arbeitet alleine. Und wenn er überhaupt ein Team hat, dann sind das die Kumpels vom See. Jetzt kommt dieser komische Wanderprediger und will ihn dabeihaben. Wozu das denn? Wir hören die Geschichte.
Ich lese aus Lukas 5 Vers 1- 11.
Jesus beruft sein Team. Das Team, das ihn auf seinem Weg von Galiläa nach Jerusalem begleiten wird. Das Team, das dabei sein wird, wenn er vom Vater im Himmel redet. Wenn er Kranke heilt. Ausgestoßene einlädt. Wenn er als König begrüßt wird und als Verbrecher hingerichtet. Das Team wird seine Auferstehung bezeugen. Das Team wird die gute Nachricht von Jesus bis an die Enden der Erde bringen.
Jesus beruft sein Team. Einer der ersten: Petrus. Kein Theologe. Kein Rhetoriker. Kein Arzt. Kein Sozialarbeiter. Sondern Fischer. Nach welchen Kriterien stellt Jesus sein Team eigentlich auf? Warum kriegt Petrus einen Platz im Team der Jüngerinnen und Jünger?
- Offenheit, oder: Jesus ins Boot holen
Da sitzen die Fischer und flicken ihre Netze. Es wird laut. Menschen drängen ans Ufer. Alle hinter einem Mann her. Von dem haben die Fischer auch schon gehört. Ein Wanderprediger aus Nazareth. Gelernter Zimmermann. Manche sagen: Der ist der Messias.
Jetzt bleibt der Mann, Jesus von Nazareth, vor den Fischern stehen. Fragt: Kann einer mich mal ein Stück rausrudern? Dann hören die Leute mich besser. Die Fischer gucken sich an: Sonst noch was? Sie sind seit früh morgens bei der Arbeit. Irgendwann wollen sie mal nach Hause! Petrus sagt: In Ordnung. Komm an Bord.
Warum macht Petrus das? Vielleicht ist er neugierig. Ob der Zimmermann echt predigen kann. Vielleicht freut sich Petrus über Abwechslung. Vielleicht will er raus finden, ob ein Zimmermann echt der Messias sein könnte. Vielleicht hat er auch nur so ein Gefühl. Dass es gut sein könnte, Jesus zu begegnen.
Petrus sagt: Komm an Bord. Und ist offen für was Neues. Das sollten Jüngerinnen und Jünger haben: Offenheit. Wer immer weiter das Gleiche tun will und nichts und niemand mehr kennen lernen will, wer nicht mehr neugierig ist, keine Sehnsucht mehr hat, der will auch nicht in´ s Team.
- Vertrauen oder Netze auswerfen
Irgendwann ist die Predigt zu Ende. Danke, sagt Jesus. Nett, dass ich Dein Boot benutzen durfte. Jetzt tu ich dir einen Gefallen. Fahr raus auf den See. Wirf deine Netze aus. Mann, sagt Petrus. Von Fischfang hast du ja wohl keine Ahnung. Um diese Zeit fängst Du hier gar nichts. Wir haben nicht mal heute Nacht was gefangen. Aber weißt du was? Ich versuch´ s trotzdem.
Was ist mit Petrus los? Sein Passagier kennt sich kein bisschen mit Fischen aus. Und trotzdem tut Petrus, was Jesus sagt. Denn der klingt so als ob er genau wüsste, wo die Fische sind. Wenn das, was Jesus über Gott sagt, gut ist, dann riskiert Petrus es auch beim Fischen auf zu Jesus hören. Petrus vertraut Jesus und versucht was Verrücktes. Mittags Fische fangen. Los geht´ s.
Das sollten Jüngerinnen und Jünger haben: Vertrauen. Wer selbst am besten Bescheid weiß, wer allen anderen misstraut, wer nichts Gutes mehr erwartet, der will auch nicht in´ s Team.
- Ehrlichkeit oder Sünde bekennen
Petrus wirft mit seiner Mannschaft Jakobus und Johannes die Netze aus. Dann zappelt ein Wahnsinnsfang im Netz und bringt das Boot fast zum Kentern. Die Kollegen müssen helfen kommen.
Und Petrus wird nervös. Geh weg, Herr, bittet er. Ich bin ein sündiger Mensch. So einer wie du, der will mit einem wie mir nichts zu tun haben. Petrus merkt: Jesus ist anders als andere. Das mit dem Messias ist kein Blödsinn.
Petrus sagt: Ich bin ein sündiger Mensch. Mich trennt ganz viel von Gott. Ich bin keiner mit dem der Messias in einem Boot sitzen sollte. Herr, geh weg.
Das sollten Jüngerinnen und Jünger haben: Ehrlichkeit. Wer sich für vollkommen hält, wer seine dunklen Seiten verleumdet, wer nichts und niemanden braucht, der will auch nicht in´ s Team.
- Konsequenz oder ihm nachfolgen
Keine Angst, sagt Jesus. Du kriegst eine neue Aufgabe. Ab jetzt fängst du keine Fische mehr. Ab jetzt fängst du Menschen. Ob Petrus das versteht? Ob er sich seine Aufgabe vorstellen kann? Vielleicht kann er das gar nicht. Wahrscheinlich kann er das gar nicht. Aber eins kann er sich vorstellen: Mit Jesus mit zu gehen. Weil er merkt: Da ist was Besonderes. Da ist Gott zu spüren. Und das reicht ihm. Er lässt sein Boot liegen. Viel später wird er noch mal wiederkommen. Noch mal Fische fangen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt lässt Petrus Boot, Netze, Kollegen, alte Gewohnheiten, alte Sicherheiten zurück. Johannes und Jakobus gehen mit. Weil sie nicht anders können. Weil sie nicht anders wollen. Weil sie merken, dass sie bei Jesus am richtigen Platz sind. Weil sie in sein Team gehören wollen.
Das sollten Jüngerinnen und Jünger haben: Konsequenz. Wer ein bisschen glauben will, wer sich an dem was er hat und kann festmacht, wer sich nicht auf den Weg machen will, der will nicht in´ s Team. Der kommt nicht in´ s Jesusteam.
Seit damals am See Genezareth ist das Jesusteam gewachsen. Durch die Jahrhunderte haben Männer und Frauen in diesem Team mitgespielt. Oft waren es nicht die Großen. Sondern kleine Frauen wie die Chinamissionarin Gladys Alward. Oft waren es nicht die Starken. Sondern Kranke und Angeschlagene wie der Apostel Paulus. Oft waren es nicht die Geschickten und Sportlichen. Sondern Luftikusse wie der Ordensgründer Franziskus von Assisi.
Die meisten von ihnen waren keine Theologen, Rhetoriker, Ärzte oder Sozialarbeiter. Hausmädchen waren dabei und Grafen. Zimmermänner und Töpfer. Mönche und Musiker. Fußballer auch, übrigens.
Sie haben das Evangelium bis an die Enden der Erde gebracht. Sie haben da, wo sie waren, Menschen zu Jesus eingeladen. Sie haben Gottes Wirklichkeit mitten in dieser Welt spürbar gemacht.
Eins haben sie alle gemeinsam. Die Fähigkeiten, die Petrus am See gezeigt hat: Offenheit. Vertrauen. Ehrlichkeit. Konsequenz.
Wie ist das eigentlich mit uns? Vielleicht sitzen wir ja auch beim Netzeflicken. Managen unseren Alltag. Kümmern uns um das Nötige. Langweilen uns vielleicht ein bisschen aber sind ansonsten soweit ganz zufrieden. Was machen wir, wenn Jesus uns begegnet? Sind wir dafür überhaupt offen? Hören wir hin? Lesen wir die Bibel und glauben, dass wir gemeint sind? Rechnen wir damit, dass Jesus etwas von uns will? Fragen wir Jesus, wo er uns haben will? Und sagen dann auch Ja, in Ordnung? Komm an Bord. Sei mitten in meinem Leben. Und lass mich ruhig was Neues ausprobieren?
Vielleicht hören wir ja auch die Aufforderung: Wirf die Netze aus. Sprich mit den Nachbarn über deinen Glauben. Klingel bei der türkischen Familie. Geh zur Stadtteilsitzung. Bring dem Bettler einen Kaffee. Setz dich beim Gemeindefest neben die Gäste vom Montagskaffee.
Vielleicht sagen wir auch sofort: Jesus, du hast keine Ahnung vom Fischen. Weißt du wie stur mein Nachbar ist? Und ich kann kein Türkisch, hasse Politik, finde, dass Bettler Schmarotzer sind und arme Leute riechen. Wie sehr vertrauen wir Jesus? So sehr, dass wir sagen: Das ist total verrückt, aber wenn du meinst? Und tun es trotzdem?
Vielleicht merken wir ja in der Begegnung mit Jesus auch unsere Schattenseiten. Unsere Abgründe. Erinnern uns an Momente auf die wir wirklich nicht stolz sein können. Wie ehrlich sind wir dann? So ehrlich, dass wir sagen: Ich bin ein sündiger Mensch? Und von dem reden, was uns von Gott trennt?
Vielleicht hören wir ja auch das: Ab jetzt Menschen fischen. Andere Priorität. Andere Aufgabe. Nicht weniger als das Evangelium bis an die Enden der Erde bringen. Menschen zu Jesus einladen. Gottes Wirklichkeit mitten in dieser Welt spürbar machen. Im Jesusteam sein.
Jesus will uns in seinem Team haben. Nicht weil wir groß und stark und geschickt und sportlich sind. Sondern weil er mit uns sein Reich bauen will.
Ich wünsche uns, dass wir für dieses Team trainieren. Offenheit. Vertrauen. Ehrlichkeit. Konsequenz. So wie Petrus und all die anderen. Trainieren geht beim Bibellesen. Beim Beten. Beim Stillsein und Hören. Beim Aufmerksam sein. Das Training lohnt sich. Denn Jesus sagt zu uns:
Du gehörst in mein Team. Wir gehören in sein Team. Zusammen mit so normalen Menschen wie Petrus, Paulus, Gladys, Teresa, Nikolaus, Martin, Franziskus und wie sie alle geheißen haben und mit den allen hier in der Kirche und mit mir. Wir gehören in sein Team.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus unserem Herrn.