Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1-9 von Hans-Georg Ahl
22.08.2010, 06:18Predigt Apg 9, 1-9
1 Saulus führte weiterhin einen wütenden Kampf gegen die Jünger des Herrn. Er drohte ihnen mit dem Tod und war entschlossen, die Gemeinde auszurotten. Auch in Damaskus wollte er die Anhänger der neuen Lehre aufspüren, um sie alle – Männer wie Frauen – in Ketten nach Jerusalem zu bringen. Zu diesem Zweck wandte er sich an den Hohenpriester und bat ihn um Briefe ´mit einer entsprechenden Bevollmächtigung`, die er den Synagogen in Damaskus vorlegen wollte. 3 Als er nun nach Damaskus unterwegs war und die Stadt schon fast erreicht hatte, leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten umgab ihn ein solcher Glanz,4 dass er ´geblendet` zu Boden stürzte. Gleichzeitig hörte er, wie eine Stimme zu ihm sagte: »Saul, Saul3, warum verfolgst du mich?« – 5 »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus. Die Stimme antwortete: »Ich bin der, den du verfolgst; ich bin Jesus. 6 Doch jetzt steh auf und geh in die Stadt! Dort wird man dir sagen, was du tun sollst.« 7 Die Männer, die mit Saulus reisten, standen sprachlos ´vor Bestürzung` dabei; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. 8 Saulus richtete sich vom Boden auf und öffnete die Augen, aber er konnte nichts sehen. Seine Begleiter mussten ihn bei der Hand nehmen und nach Damaskus führen. 9 Drei Tage lang war er blind, und er aß nichts und trank nichts.
Liebe Gemeinde,
nicht jeder von uns kann auf ein solches „Damaskuserlebnis“ in seinem Leben verweisen wie Paulus bzw. Saulus, wie er ja hier noch heißt. Und dennoch, so möchte ich behaupten, enthält es Elemente, an deiner keiner vorbei kommt, wenn er mit Jesus leben will. Und die wollen wir uns jetzt mal genauer ansehen.
- Saulus – wer war das eigentlich?
Ein auf den ersten Blick sympathischer und beeindruckender junger Mann. Er ließ sich kein X für ein U vormachen und ging den Sachen auf den Grund. Wir wissen von ihm, dass er eine handwerkliche Ausbildung genossen hat, wahrscheinlich in Tarsus, einer mittelgroßen Stadt in Kleinasien, wo sein Vater wahrscheinlich eine Zeltfabrik betrieb. Dort wuchs er aber ebenfalls mit einer guten griechischen Schulbildung auf und gleichzeitig als Angehöriger der jüdischen Synagoge in dem Bewusstsein, etwas besonderes zu sein. Offensichtlich war sein Vater vermögend genug, seinem Sohn auch noch ein Studium zu ermöglichen. Sein Lehrer war der berühmteste Theologe der damaligen Zeit, ein Mann mit dem Namen Gamaliel. Unter diesem Studium hatte man sich das genaue Beschäftigen mit dem, was wir das AT nennen , vorzustellen. Aber darüber hinaus auch den Talmud und andere Schriften mit Kommentaren und Ausführungsbestimmungen des Lebens als Jude. Von daher können wir Saulus ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein unterstellen. Ganz ausdrücklich schließt er sich der Gruppe der Pharisäer an, die dafür stehen, dass das Leben als Jude eben nicht nur eine Sache des Kopfs sondern des ganzen Lebensvollzugs ist. Und auch eine weitere Eigenschaft, die ihn ja auch später immer wieder auszeichnete steht hier mit einem kleinen Wort: er war kampflustig, er schnaubte, wie es in lutherdeutsch heißt, denken sie an Olli Kahn, wenn dem einer im Strafraum zu nahe kam…Und das, was da die Anhänger eines gewissen Jesus aus Nazareth veranstalteten konnte er nur als Angriff auf den Torhüter im 5-Meter-Raum werten und das war ganz schnell abzupfeifen.
- Das Stoppschild
Gerade noch das gelb-weiße Quadrat – und dann plötzlich ein Stoppschild.
So erging es mir vor - vielen Jahren auf einer Fahrt von Schweden nach Norwegen
von einer Freizeit zu einer anderen. Navis gab es noch nicht und ich dachte,
dass die Karte in meinem Autoatlas gut genug sei. Offensichtlich nicht. Ich
musste nicht nur an diesem Schild stehen bleiben sondern bei der nächsten
Tankstelle nach dem Weg fragen und eine vernünftige Karte kaufen.
Solche Stoppschilder gibt es nicht nur auf einer Autofahrt sondern im
übertragenen Sinn auch auf der Lebensreise. Man ist auf der falschen Straße und
vielleicht sogar in die falsche Richtung unterwegs. Und deshalb sind diese
Schilder dann auch gut. Sie zwingen mich stehen zu bleiben und nach dem
richtigen Weg zu fragen. Im richtigen Leben kann ein solches Schild eine
Krankheit oder ein anderes gravierendes Ereignis sein, das mich aus dem
gewohnten Trott bringt. Wehe wenn ich ein solches Schild überfahre. Es kann zu
einem bösen Unfall an der Kreuzung kommen aber eben auch, dass ich einfach in
die falsche Richtung weiterfahre und nie am Ziel ankomme.
Das Stoppschild im Leben des Saulus hat drei Begleiterscheinungen, die wir
unbedingt brauchen, wenn unser Leben eine wirkliche Wendung zum Heil erfahren
soll.
- helles Licht vom Himmel, Licht von oben sozusagen
- er stürzt auf den Boden der Tatsachen, er ist runter von seinem hohen Ross
- er hört die Stimme Jesu, die seinen ganzen Lebensentwurf in Frage stellt.
Ich habe ja schon zu Anfang gesagt, dass wir nicht alle ein solches
Bekehrungserlebnis vorweisen können und auch nicht können müssen. Aber keiner
von uns säße hier, wenn er nicht von Gottes
Licht angezogen worden wäre, den harten Boden der Tatsachen in seinem
Leben schon erfahren hätte und deshalb weiß, dass er die Stimme des guten
Hirten, die Stimme Jesu für sein Leben braucht.
- Wer bist du Herr?
Diese Frage, die Saulus dann stellt, die hat ihn lebenslang
nicht mehr losgelassen. Und keiner hat sie aus meiner Sicht besser beantwortet
als dann der hier vor Damaskus wiedergeborene Paulus. Keiner hat so wie er in
allen Facetten ausgeleuchtet, was es bedeutet, dass Jesus gekreuzigt und
auferstanden ist.
Nehmen wir als Beispiel den Römerbrief: beide, die Juden, die den Willen Gottes
kennen und doch nicht tun (das sagt Paulus als Pharisäer!) und die Heiden, die
erst gar nicht nach Gott fragen, können vor Gott nicht bestehen. Bestehen kann
nur, wer im Glauben annimmt, dass Jesus am Kreuz für seine Schuld bezahlt hat,
wer diese „Gerechtsprechung“ für sich annimmt, seinen „alten Adam“ in der Taufe mit Jesus ins Grab
schickt und sein neues Leben aus der Kraft der Auferweckung Jesu empfängt. Und
das ist das Markenzeichen des Paulus, das dann in der Reformation von Luther so
befreiend entdeckt wurde: dass der Mensch vor Gott gerecht ist durch den
Glauben. Punkt. Ausrufezeichen.
Ich hatte gesagt, dass Paulus von dieser Frage nicht mehr losgekommen ist. Weil
er fortan immer wieder diese Frage gestellt hat. Sie hat ihn natürlich nicht nur intellektuell
als Lehrer seiner Gemeinden beschäftigt sondern in seinem ganzen Lebensvollzug.
Und auch als er ganz unten war nur die Antwort hörte: Lass dir an meiner Gnade
genügen!
- Was willst du, das ich tun soll?
Genau das ist immer Markenzeichen des Paulus gewesen: dass
er immer erst gefragt hat: Wer bist du Herr? Und erst dann die Frage: Was soll
ich tun? Paulus hat immer erst den Indikativ, das was Jesus getan hat, betont,
bevor er zum Imperativ kam, also dazu, was wir tun sollen. Ein Herrschaftswechsel
und ein Besitzerwechsel hat mit diesem Erlebnis in seinem Leben stattgefunden
und so ist es auch bei uns, bei jedem, der Christ ist. Und jetzt muss ich zum
Schluss doch noch mal an letzten Sonntag erinnern. Da hatten wir zum Ende den
wunderbaren Paulusvers aus Epheser 2 von den guten Werken, die Gott bereits für
uns erschaffen hat, dass wir darin wandeln sollen. Dieser Vers strahlt doch
eine bombastische Gelassenheit aus. Und mit dieser Gelassenheit können wir uns
dann konkret miteinander nach unserem eigenen Lebensstil, nach dem was unsere
Gemeinde der sozialen Kälte und Not um uns herum entgegenzusetzen hat usw.
stellen. Da ist dann kein Druck im Kessel sondern Freude über Möglichkeiten,
die uns unser Herr und unser Glaube eröffnen.