Predigt zu Epheser 2, 4-10 von Hans-Georg Ahl

13.08.2010, 10:24

Predigt Epheser 2, 4-10

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht - aus Gnade seid ihr selig geworden - 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen  Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9­ nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

 

Liebe Gemeinde,

 

ich bin sicher: wenn es zu Zeiten des Paulus schon Fußball gegeben hätte, hätte er Beispiele aus diesem Bereich in seinen Briefen verwandt. Aus 2 Gründen bin ich sicher:

-          Paulus wollte verstanden werden, und zwar nicht nur von Intellektuellen

-          Paulus hätte wahrgenommen, wie viel religiöses im Fußball und vor allem bei seinen Fans mit im Spiel ist – und ich meine damit nicht nur, dass man manche Spieler „Fußballgott“ nennt, zur Vereinshymne aufsteht und der Schlusschoral der ganzen Liga sich mit der Aufforderung einig ist: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“!

-          Aber am beunruhigendsten finde ich, dass es mit der schönsten Nebensache der Welt natürlich endgültig aus und vorbei ist, wenn der schönste Tag im Leben eines Menschen der ist, wenn sein Verein Meister wird...

Deshalb werde ich heute morgen versuchen, hier und da ein Beispiel aus diesem Bereich mit einzubauen, um einen bestimmten Gedanken verständlicher zu machen...

Ein Fußballspiel hat 2 Halbzeiten und eine Pause mittendrin, meine Predigt heute morgen auch:

  1. 1.       Halbzeit: Hauptsache aufgestellt!

Gut, ich gebe zu: in eine Fußballmannschaft kommt man in der Regel nur durch gute Leistungen. In die Mannschaft Gottes nur durch Gnade. Das ist der erste, der grundlegende und der wichtigste Gedanke heute morgen: „aus Gnade seid ihr selig geworden“, wird von Paulus wörtlich 2 mal so gesagt. Und der ganze erste Teil unseres Predigttextes ist voll von Worten und Begriffen, die uns die Gnade Gottes veranschaulichen. Denn Gottes Gnade heißt nicht, dass er wie ein schlechter Schiedsrichter Fouls und Handspiel durchgehen lässt! Folgende Begriffe meine ich: Barmherzigkeit, Liebe, Reichtum, Güte.

Damit ein Fußballer gut wird braucht er das Vertrauen und den Zuspruch seines Trainers und seiner Mannschaftskollegen.

Wenn ein Kind gut heranwachsen soll braucht es den Zuspruch und die Liebe seiner Eltern.

Wenn einer Christ werden und als Christ im  Glauben wachsen will, braucht er Begegnungen mit Gott, die mit diesen Worten, die ich eben vorgelesen habe, charakterisiert sind:

-          Barmherzigkeit

Wir dürfen an die Geschichte von dem Mann, der unter die Räuber gefallen ist, denken

-          Liebe

Wir dürfen an den Vater des verlorenen Sohnes denken, der nicht aufhört seinen Jungen zu lieben und auf ihn zu warten

-          Reichtum

Wir dürfen an den Gastgeber von dem großen Festmahl denken, der nicht Kosten und Mühen scheut, damit seine Hütte voll wird

-          Güte

Wem fiele da nicht noch mal der Vater des verlorenen Sohnes ein, aber diesmal der des älteren Sohnes

Ist ihnen aufgefallen, dass ich diese Begriffe jetzt ausschließlich mit Gleichnissen, die Jesus erzählt hat, veranschaulicht habe?

Offensichtlich hat Jesus doch alle Mühe darauf verwandt, seinen jüdischen Zeitgenossen zu sagen: Hört endlich auf aus Gott einen Buchhalter zu machen, der genau Buch führt wie viele Schritte ihr am Sabbat geht und wie genau ihr es mit eurem Zehnten haltet. Nehmt wahr, dass er euch unendlich liebt und ohne Vorbedingung annimmt!

Und damit bin ich beim Thema der ersten Halbzeit: Du bist aufgestellt! , du stehst in Gottes Notizbuch, du musst nicht vorher zum Fitness- und Lactattest!

Du kannst endlich deinen Platz auf der Zuschauertribüne verlassen und selber auflaufen.

Tja, und dann sind wir also auf dem Platz und dann merken wir es doch:

-          bei allem Vertrauen, was unser Trainer zu uns hat:

-          uns springen die Bälle weg

-          uns bleibt die Puste weg

-          das Spielverständnis in unserer Mannschaft lässt zu wünschen übrig

-          wenn die anderen den Ball nicht abgeben, versuche ich es eben auch mit Alleingängen...

Und ehe wir uns versehen, liegt unsre Mannschaft im Rückstand...

Wie gut, dass es zwei Halbzeiten gibt und eine Halbzeitpause, und bei der sind wir jetzt:

  1. 2.       Pausentee: den Sieg vor Augen

Was in der Kabine in der Halbzeitpause geschieht ist sagenumwittert und reicht vom Donnerwetter des Trainers bis zu magischen Teemischungen. Und da es wirklich außergewöhnlich selten vorkommt, dass eine Mannschaft total verändert auf den Rasen zurückkommt, nehmen wir mal an, dass ein Trainer seiner Mannschaft eines in jedem Fall sagen kann: „Euer Gegner kocht auch nur mit Wasser“, oder, für uns als von Gott aufgestellte Leute: das Spiel ist schon entschieden, Jesus ist auferstanden, der Sieg ist unser! Wenn man so will, zeigt uns Gott schon ein Video der 2. Halbzeit bzw. einen Blick auf die Anzeigetafel mit dem Schlussergebnis.

Das also geschieht in der Kabine. Aber es geschieht natürlich nicht dazu, dass sich die Spieler, dass wir uns nun dann sofort unter die Dusche begeben, sondern dass wir mit einer anderen Einstellung in die 2. Halbzeit gehen:

  1. 3.       2. Halbzeit: die Chancen nutzen

Das ist natürlich gar nicht so leicht: Wissen, dass man das Spiel schon gewonnen hat und trotzdem noch spielen müssen. Dabei kann ja eigentlich nur ein überhebliches Gekicke herauskommen.

Nun, alle die Christen sind, wissen, dass das nicht so ist. Bei einem Fußballspiel zum Glück, im echten Leben leider, ist auch noch ein Gegner auf dem Platz.

Doch, wenn man genau in den Text hinein schaut, hat sich etwas ganz wesentlich verändert, hat die Halbzeitpause nicht nur den Blick auf die Anzeigetafel gebracht, sondern auch zwei gravierende Fehler in der ersten Halbzeit verdeutlicht:

Þ        nicht aus euch selbst seid ihr selig geworden sagt Paulus seinem FC Ephesus! Das wäre ja ein böses großes Missverständnis, wenn es auf den eigenen religiösen Funkenflug ankäme, wenn der Glaube eine Art innerer Stärke wäre, die jeder Mensch eben hat und mehr oder weniger gut kultivieren kann.

„Ich habe doch auch meinen Glauben“...ist ein Satz, den man sehr oft hören kann, der aber deshalb noch lange nicht bedeutet, dass es der Glaube ist, den Paulus hier meint. Es ist eben nicht ein „alles wird gut“ oder „immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ gemeint, eben kein Glaube, den irgend jemand hätte und in einem Marmeladenglas konservieren könnte, sondern eine Gabe Gottes, eine nur von Gott geschenkte und eröffnete Möglichkeit, eine sich mir plötzlich bietende Chance, zu mir selbst, meinen Lebensumständen, ja zu sagen, weil Gott es tut!

Dieses ja kann ich mir nicht erstreiten und erkaufen, ich kann es mir nur sagen lassen, es hören und annehmen und froh darüber werden.

Þ        nicht aus den Werken, damit sich niemand rühmt und spätestens da, so  

        scheint es mir, müssen wir den Fußball verlassen, denn schließlich geht es doch dabei um nichts anderes als um Ruhm, Marktwert und Geld eines Spielers. Natürlich zählen beim Fußball „Werke“: der öffnende Pass, der gewonnene Zweikampf, der geschundene Freistoß, die gelungene Schwalbe und natürlich am allermeisten der gelungene Torschuss.

Nicht so beim FC Ephesus: den öffnenden Pass, den entscheidenden Zweikampf den muss nicht ich liefern, auf jeden Fall nicht aus eigener Kraft!

Und jetzt muss ich zum Schluss doch noch mal diesen irren letzten Vers vorlesen, um deutlich zu machen, dass das nun mit Fußball nichts mehr zu tun hat. Der Vers enthält mit 3 Aussagen das Geheimnis, warum wir als Christen in dieser 2. Halbzeit gar nicht verlieren können!

  1. Wir sind Gottes Geschöpfe – tragen seinen Fingerabdruck, etwas von seiner Würde und Vollkommenheit
  2. Geschaffen zu guten Werken in Jesus Christus – er steckt also dahinter, nicht wir selber
  3. Wir können uns in diesem Rahmen, auf diesem Spielfeld, frei bewegen, wandeln müssen wir ja nicht wörtlich nehmen...man darf ruhig laufen...und wir können als Team auftreten!

 

 


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