Predigt mit Philipper 3, 7-14 von Catharina Bluhm
30.07.2010, 14:37Predigt mit Philipper 3, 7- 14
Liebe Gemeinde,
in seiner Zelle ist es still. Paulus hat Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über sein Leben. Als römischer Bürger und jüdischer Gelehrter. Wissenschaftler und Zeltmacher. Leidenschaftlich im Glauben. Eiskalt in seinem Hass. Es kommt Paulus unwirklich vor, dass er einmal Saulus gewesen ist. Der sein Bündel gepackt hat für die Reise nach Damaskus. Wo er die Christen ausrotten wollte.
Was hatte er da eigentlich im Gepäck? Kleidung. Ein bisschen Geld. Eine Abschrift der Mischna. Sein Handwerkszeug. Viel brauchte er nicht. Saulus war mit kleinem Gepäck unterwegs.
Obwohl. Heute weiß Paulus, dass Saulus damals mehr als Kleidung, Geld, Schriften und Handwerkszeug im Gepäck hatte. Stolz auf seine Abstammung z.B. Aus der Familie des ersten Königs in Israel. Arroganz z.B. Er war gebildet. Schüler des großen Gamaliel. Frömmigkeit z.B. Er kannte die Tora. Hielt die Gesetze. Peinlich genau. Vielleicht hatte Saulus damals auch Angst im Gepäck. Angst, dass man ihm seine Krankheit anmerkte. Angst, hilflos zu werden. Sorgen waren auch dabei. Was würde aus den Juden, wenn die Christensekte immer mehr Anhänger gewann? Und was, wenn die Römer Unruhen zwischen Juden und Christen blutig beenden würden?
Das alles hatte Saulus damals im Gepäck.
Dann begegnete er vor Damaskus Jesus. Wurde blind und sah auf einmal klar. Seine Hilflosigkeit. Seine Angst. Seine Unvollkommenheit. Das war das Gepäck seines Lebens. Nicht Stolz. Können. Stärke. Sondern Schwäche. Damals war es Zeit, seinen Koffer neu zu packen. Mit dem, was im Leben wirklich zählt. Saulus packte seinen Koffer. Und packte gleich einen neuen Namen dazu. Er würde nie mehr Saulus sein. Jetzt war er Paulus.
Der Mann in der Gefängniszelle lächelt. Und beugt sich über den Brief, den er schreibt. An Freunde in Philippi. Die ihn fragen, was wirklich wichtig ist. Woran man sich festhalten kann, wenn es schwierig wird im Leben. Was im Koffer drin sein soll auf der Lebensreise. Paulus schreibt weiter am dritten Kapitel seines Briefes an die Gemeinde in Philippi.
Ich lese aus Philipper 3 Vers 7- 14.
Paulus liest, was er geschrieben hat. Von sich. Von dem, was er gelernt hat. Als er seinen Lebenskoffer neu packen musste.
Was Saulus wichtig fand, hält Paulus heute für Dreck. Mist. Auf Griechisch schreibt Paulus sogar das Sch- Wort. Paulus hat seinen Koffer leer gemacht. Und Neues reingepackt. Glauben. Und Sehnsucht nach dem Himmel.
Packt den Glauben in euren Lebenskoffer, rät Paulus den Philippern. Und Sehnsucht nach dem Himmel. Den alten Mist schmeißt raus. Dann habt Ihr das Richtige dabei. Das, was wirklich wichtig ist. Woran man sich festhalten kann, wenn es schwierig wird im Leben.
Liebe Gemeinde,
wenn wir das, was im Leben gut und wichtig ist, in einen Koffer packen könnten, was wäre dann drin? Was würden Sie in Ihren Lebenskoffer packen? Und was würden Sie auspacken? Weil es eigentlich Mist ist?
Paulus schreibt der Gemeinde in Philippi, was reingehört in den Lebenskoffer. Und was nicht.
Tipps zum Kofferpacken - immer noch gültig und hilfreich. Hören wir also Paulus gut zu. Und gucken unseren eigenen Lebenskoffer an.
- Ich packe meinen Koffer und schmeiße den Mist raus
Paulus sagt, was in unseren Lebenskoffer nicht reingehört. Weil es Mist ist. Unser Stolz z.B. Vielleicht sind wir stolz auf unsere Bildung. Frömmigkeit. Geld. Leistung. Gesundheit. Aussehen. Vielleicht sind wir sogar ein bisschen arrogant. Wenn wir uns mit anderen vergleichen. Vielleicht klammern wir uns fest an Bildung, Frömmigkeit, Geld, Leistung, Gesundheit und Aussehen. Denken das macht uns aus. Und schämen uns, wenn wir unseren Ansprüchen und denen der anderen nicht genügen. Vielleicht strengen wir uns sehr an. Feilen an dem guten Bild, das wir selber und andere von uns haben sollen. Sorgen dafür, dass unsere Koffer voll sind. Dass unser Leben gut ist, so wie es ist. Dass alles so weiter gehen kann.
Kein Wunder, dass wir uns erschrecken, wenn wir an Grenzen kommen. Wenn es schwierig wird. Wenn es keinen Grund mehr zum stolz sein gibt. Wenn wir uns Arroganz nicht mehr leisten können. Wenn wir Hilflosigkeit, Angst und Unvollkommenheit im Gepäck haben.
Und merken, dass wir eigentlich was ganz anderes brauchen als unseren Stolz und unsere Arroganz. Hilfe nämlich. Barmherzigkeit. Gut, dass es die bei Jesus gibt. Der sieht in uns was anderes als Leute mit vollen Koffern. Der sieht in uns mehr als unsere Bildung, Frömmigkeit, Geld, Leistung, Gesundheit und Aussehen. Jesus sieht in uns Kinder Gottes. Die zu ihm gehören. Die mit ihm leben können. Die in den Himmel gehören.
Paulus empfiehlt: Platz machen im Lebenskoffer. Stolz, Arroganz, Scham und Angst - den ganzen Mist raus!
Vielleicht schreiben wir eine Liste. Schreiben unseren Mist auf. Halten den im Beten Jesus hin. Vielleicht gucken wir uns mit jemandem, dem wir vertrauen unseren Mist an. Überlegen, was wirklich wichtig ist. Und machen Platz im Lebenskoffer.
- Ich packe meinen Koffer und frage nach dem Glauben
Paulus schreibt, was er glaubt: Menschen können vor Gott nicht bestehen. Bildung, Frömmigkeit, Geld, Leistung, Gesundheit und Aussehen machen niemand gerecht. Gerecht werden Menschen nur durch Jesus. Der hat durch sein Leben und Leiden und Sterben alles weggenommen, was Menschen von Gott trennt. Durch den Glauben an Jesus können Menschen mit Gott leben. Das ist Paulus Bekenntnis. Sein Glaubensbekenntnis. Das ist sein Halt. Das predigt er. Dafür geht er sogar in´ s Gefängnis.
Wie ist das mit uns? Was ist unser Glaubensbekenntnis? Was hält uns? Was bekennen wir? Wozu stehen wir? Wieso, könnten Sie jetzt sagen, haben wir doch gerade aufgesagt. Glaubensbekenntnis. Ich glaube an Gott… Stimmt. Wichtig. Das ist der Nenner auf den sich Christen seit dem Konzil von Nicäa im vierten Jahrhundert einigen.
Aber was ist Ihr ganz eigenes Glaubensbekenntnis? Vielleicht klingt es so: Mein Leben war eine einzige Katastrophe, bis Jesus mich gefunden hat. Ich durfte neu anfangen. Jetzt bin ich ein anderer Mensch. Vielleicht klingt es so: Ich bin im Glauben groß geworden. Ich habe immer an Gott geglaubt. Am Anfang habe ich einfach das geglaubt, was mir die anderen gesagt haben. Jetzt habe ich selber schon viel mit Gott erlebt. Und daran halte ich mich fest. Vielleicht: Ich bin immer noch auf der Suche. Aber ich merke: Ich bin nicht alleine. Da ist einer, der geht mit. Und der gibt mir soviel Gutes. Ich glaube, das ist Gott. Und ich möchte noch viel mehr über ihn wissen. Vielleicht: Ich bin sehr krank. Ich weiß nicht, wie lange mein Leben dauert. Aber ich glaube, dass Jesus bei mir ist. Von ihm kommt jeden Tag meine Kraft. Er lässt mich nicht aus seinen Händen. Er bringt mich am Ende nach Hause zu Gott.
So klingen ganz eigene Glaubensbekenntnisse. Die bleiben nicht im Koffer. Die gucken wir immer wieder an. Sprechen sie immer wieder neu. In allem, was wir mit Gott erleben. In allem, was wir in der Bibel entdecken. In jedem Lebensalter. Wir brauchen unser eigenes Glaubensbekenntnis. Es hilft uns, an Gott festzuhalten, wenn es schwierig wird. Es hilft uns, anderen vom Glauben zu erzählen. Weil sie dann von uns hören, wie es sein kann, mit Gott zu leben. Weil solche Glaubensbekenntnisse Lust machen mit Gott zu leben.
Packen wir also unser eigenes Glaubensbekenntnis in den Koffer.
- Ich packe meinen Koffer und halte die Sehnsucht fest
Paulus schreibt: ich bin unterwegs. Was früher war, ist nicht mehr wichtig. Ich habe ein großes Ziel. Ich will das sehen, was ich geglaubt habe. Ich möchte jetzt schon immer dem ähnlicher werden, der ich dann bin: Einer, der mit Gott lebt. Im Himmel. Da, wo ich für immer zu Hause bin. Danach habe ich solche Sehnsucht, dass ich alles gebe. Wie einer, der bei einem Wettkampf läuft. Ich bin noch nicht da. Aber ich weiß, wo ich hin will.
Paulus empfiehlt, eine Riesenportion Sehnsucht in den Lebenskoffer zu packen. Sehnsucht nach mehr, als wir sehen und anfassen können. Sehnsucht nach dem, was noch kommt. Nach dem, was noch auf uns wartet. Sehnsucht danach, dass wir einmal Gott begegnen. Dass alle Fragen beantwortet werden. Alle Tränen abgewischt werden. Alles was schmerzt heil wird. Dass alle unsere Macken ausgebügelt werden. Dass endlich alles gut wird.
Wir sind sehr in diesem Leben zu Hause. Das ist gut so. Wir sollen aber nicht vergessen, dass das noch nicht alles ist. Dass wir unsere Sehnsucht wach halten müssen. Mit Aufmerksamkeit für die himmlischen Momente, die schon jetzt da sind. Mit Lesen von dem, was einmal kommt. In der Bibel gibt es großartige Bilder dafür. Mit Leben nach den Spielregeln der kommenden Welt Gottes. Weil wir dann jetzt schon in der himmlischen Zukunft sind. Mit Leben in der Unvollkommenheit. Unserer und der der Welt. Besser geht´ s hier nicht. Aber im Himmel wird´ s besser. Packen wir also Sehnsucht nach dem Himmel in unseren Koffer.
Paulus hat im Gefängnis sein Bündel geschnürt. Er ist frei gelassen worden und hat noch mehr Reisen unternommen. Wahrscheinlich auch nach Philippi. Im Gepäck sein Bekenntnis und die Sehnsucht nach dem Himmel. Wir werden noch öfter unsere Koffer packen. Für schöne Urlaube. Für Krankenhausaufenthalte. Für Geschäftsreisen. Für Umzüge. Ich wünsche uns, dass wir nicht vergessen, unseren Lebenskoffer zu packen. Und dafür sorgen, dass das Richtige drin ist. Nicht so viel Ballast. Unser eigenes Glaubensbekenntnis. Sehnsucht nach dem Himmel. Dann sind wir gut unterwegs. Bis wir einmal ankommen.
Und bis dahin bewahre der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen