Predigt zu Epheser 5, 8-15 von Hans-Georg Ahl

25.07.2010, 10:34

Predigt Eph 5, 8-14

 

 

8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; 9 ­ die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.  Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

der eigentliche Predigttextvorschlag beginnt  mit Vers 8 b, also mit dem Satz „Lebt als Kinder des Lichts!“ Sie werden mir sicher zustimmen, dass dann allerdings ein ganz anderer Zungenschlag in diesen Text und dann auch in diese Predigt hineinkommt, wenn am Vers 8 a weg lässt: Ihr wart Finsternis, nun seid ihr Licht – im Herrn! Das ist ja, als wollte man eine Tür aus den Angeln nehmen und dann damit drauf schlagen, wenn man das entscheidende weg lässt. Und das entscheidende ist eben, das was wir sind! Und wenn es um das Thema Taufe geht, ist doch genau das der springende Punkt: Das, was Jesus für mich und für das Kind, das heute morgen getauft wurde, getan hat, hat er ohne mein Zutun getan, und genau das bringt die Kindertaufe ja richtig toll zum Ausdruck!

Heute morgen wird es also praktisch. Wie lebt man als Christ? Woran erkennt man einen Christen?

Wir waren uns beim Taufgespräch einig, dass man den Glauben nicht anerziehen kann.

Aber wozu kann man erziehen?

Und dabei müssen wir wieder im Hinterkopf behalten, dass das Licht, um das es beim Thema „Kinder des Lichts“ geht, nicht unser eigenes Licht ist, nicht ein Akku, den wir aufzuladen, nicht ein Dynamo, bei dem wir zu strampeln hätten, sondern dass wir das Licht von dem reflektieren, der von sich gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt.

Also ist die leitende Frage: Wie gelingt es im Licht zu leben? Was heißt „ im Licht leben“ praktisch?

Ich entnehme dem Text 3 Antworten:

  1. 1.       Im Licht leben – das heißt Wachheit

Über das Schlafen machen wir gerne Sprüche und die Bibel übrigens auch:

...den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf...

...wer schläft sündigt nicht...

...der Kirchenschlaf ist der gesündeste...

Am Ende unseres Textes steht ein Weckruf!

                „Wach auf du Schläfer, steh auf von den Toten und Christus wird dir aufleuchten!“

Ein Weckruf, der übrigens unmittelbar bei den Gedanken zur Taufe anschließt: mit Christus gestorben und begraben und mit ihm auch auferweckt!

Thema Weckruf: denken sie an das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, warum werden manche total auf dem falschen Fuß von diesem Weckruf erwischt?

Es gibt verschiedene Arten verschlafen zu sein und jeder möge sich die ihm genehmste aussuchen:

Trägheit z.B.:

-          „was bringt es schon, wenn ich mich einsetze“

-          „andere können das sowieso besser als ich“

-          „ich habe es oft genug erlebt, dass sich viele Dinge von allein erledigen“

-          „morgen ist auch noch ein Tag“

Genießen sie das auch so, wenn man die Urlaubspost öffnet und sich manches schon von alleine erledigt hat?

Drei Viertel kann sofort in die Ablage P – wie Papierkorb!

Eine andere Form der Schlafkultur ist das Dösen, also so eine Art formvollendeter Halbschlaf, der mich sehr wohl selektieren lässt, was ich wahrnehmen will und was nicht. Es ist eben sehr bequem, vor unangenehmen Dingen die Augen zu verschließen.

Und die dritte Art des fortgeschrittenen Schlafens ist das Träumen.

Man weigert sich wach zu werden, weil die Träume so schön und die Wirklichkeit zu hart ist. Nur im Traum lässt sich wirklich erfüllt leben. Man träumt entweder von der Vergangenheit und kultiviert sie – „früher war sowieso alles besser“ – oder man malt die Zukunft in rosaroten Farben – „wenn ich erst mal meine Traumfrau gefunden habe“ – und es gibt sogar Leute die in der Gegenwart traumwandeln oder traumtanzen, sich das Leben schön träumen und reden und dabei die Wirklichkeit überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Aber, wenn uns der Weckruf Jesu erreicht, dann hat es sich ausgeschlafen, dann kommt es darauf an hellwach zu sein, dann ist es wie am Ostermorgen: unsere Augen werden geöffnet!

Hellwach sein bedeutet:

-          informiert sein (politisch und persönlich!)

Wie gut, dass wir in einer Gemeinde leben, denn wir können unmöglich alle über alles gleich gut informiert sein!

-          sich betreffen lassen

Fast das größere Problem, weil man so schnell eine seelische Hornhaut kriegt

-          richtig reagieren (mit Christus vor Ort sein, sein Licht weitergeben)

Und letztlich: Wahrnehmen, wenn ich wieder müde werden und wenn andere müde werden.

Taufkind: nicht vor der Welt bewahren sondern zu wachen Menschen erziehen!

 

  1. 2.       Im Licht leben – das heißt Wahrheit

Das Element, wo die Sünde gedeiht, ist die Finsternis.

Verbrechen finden im Dunkeln statt oder haben die Finsternis zur Folge, weil sie das Tageslicht scheuen.

Gut, mögen wir jetzt sagen, finstere Gestalten und dunkle Keller können wir meiden. Ich gebe zu bedenken, dass die Finsternis manchmal unerwartet in unser Leben hinein brechen kann, keiner ist vor Leid und Ungerechtigkeit gefeit, und ich gebe zu bedenken, dass sich manche finsteren Mächte und Gestalten mit Lichtorgeln, Raketen und Leuchtreklamen verkleiden.

Und nun kommt als 2.Schritt nach dem Wahrnehmen des Bösen, nach dem bösen Erwachen, das Aussprechen der Wahrheit.

Kennen sie das alte Märchen von dem Kaiser, der keine Kleider an hat? Und vielleicht sogar das schöne Lied von Reinhard Mey dazu?

Wenn Christen „Kinder des Lichts“ sind, dann deshalb weil sie ihre Stunde der Wahrheit schon hinter sich haben, nicht jeder wie Saulus, dem bei einem Damaskuserlebnis die Augen für die Wahrheit über Jesus und über sich selbst aufgetan wurden. Aber die eigentliche Sache kennt jeder Christ:

-          das Erschrecken über die eigene Schuld

-          der Wahrheit deshalb ins Auge sehen können, weil sie in Liebe gesagt wird, weil der zu mir spricht der mich gerne hat und mich ändern kann

Und je mehr wir als Christen in der Nähe Jesu sind, der je der Weg und die Wahrheit und das Leben ist, desto allergischer reagieren wir auf Dunkelmänner, die großen, die uns Tag für Tag in der Flimmerkiste begegnen und die kleinen in unserer Nähe.

Aber bei dem Wort allergisch stocke ich etwas. Wir sollen ja keinen Ausschlag und Atemstillstand kriegen sondern das Licht Christi reflektieren, die Finsternis erhellen.

Wir sollen nicht unsere weiße Weste aus dem Fenster hängen sondern auf den hinweisen, der unsere Weste gewaschen hat und wäscht!

Taufkind: Kindermund tut Wahrheit kund...Leben in Wahrheit, die Stärken und Schwächen des anderen sehen können, um Vergebung bitten... 

 

  1. 3.       Im Licht leben- das bedeutet Wachstum

Ausgangsfrage heute morgen war ja, wie wir als Christen in der Welt leben. Wir haben ein Kind getauft, das in diese Welt mit ihren Finsternissen und dunklen Ecken hineingeboren ist, und das seine Eltern und Paten heute und wir als Gemeinde ja nun ganz bewusst in das Licht Jesu Christi bringen wollen.

„Ihr wart Finsternis – und seid jetzt Licht im Herrn“ – lautet der Anfang des Textes.

Es geht also definitiv nicht um unsere Aktion oder unsere Bemühung sondern um unser Sein!

Wenn dieses Kinder getauft wurde, dann wird ihm das doch zugesagt, was es von Gott her ist:

-          sein Geschöpf – von ihm hat es sein Wesen, seinen Fingerabdruck

-          von ihm geliebt, Jesus ist für es gestorben und auferstanden

-          und die Eltern wissen auch ganz genau, dass sie eben vieles entscheidende für ihre Kinder nicht in der Hand haben...

Und damit sind wir beim entscheidenden Gedanken:

Bleibende Frucht wächst, wenn sie guten Boden, Wärme und Licht bekommt.

Der gute Boden ist der, der Gottes Samenkorn, sein Wort aufnimmt und behält.

Die Wärme entsteht da, wo Gottes Liebe Menschen in den Arm nimmt, wo ich angenommen bin, wie ich bin und mich aus genau diesem Grund ändern kann.

Und das Licht ist ja nichts anderes als Jesus selber. Und wenn wir uns diesem Licht aussetzen werden wir, ob wir wollen oder nicht sein Licht reflektieren...

Taufkind: das entscheidende haben die Eltern nicht in der Hand, aber sie können es bezeugen!

 


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